Das Robert-Schumann-Haus informiert:
Christian Gottlob Neefe, der Chemnitzer Lehrer Beethovens
In Chemnitz gibt es die Neefe-Straße und den Neefe-Park – beide sind nicht konkret nach einer Person, sondern einer ganzen, für Chemnitz hochbedeutenden Familie benannt. Schon zur Zeit Martin Luthers waren Caspar und Johann Neefe als kurfürstliche Leibärzte berühmt, im 18. Jahrhundert war dann der Komponist Christian Gottlob Neefe (1748-1798) der bedeutendste Namensträger.
1748 in Chemnitz geboren erhielt Christian Gottlob Neefe dort seine erste musikalische Ausbildung. Nach seinem Studium in Leipzig kam er 1779 zunächst als Theaterkapellmeister nach Bonn, wo er 1781 zum Hoforganisten ernannt wurde. Wohl noch im selben Jahr wurde hier Ludwig van Beethoven sein Schüler – neun Jahre lang erhielt er Unterricht in den Fächern Klavier, Orgel und Komposition, so dass der Chemnitzer Neefe zum wichtigsten Lehrer für den später berühmten Komponisten der Wiener Klassik wurde.
Am kommenden Sonntag, dem 31. August um 17 Uhr lädt das Zwickauer Robert-Schumann-Haus im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres zu einem besonderen Konzert ein: Zu hören sein werden einige von Neefes Klaviersonaten, 1773 bei Breitkopf & Härtel in Leipzig veröffentlicht, die den frühen Sonaten von Beethoven gegenübergestellt werden. Von ihm erschienen bereits 1783 – mit tatkräftiger Unterstützung des Lehrers Neefe – die drei ersten Klaviersonaten in Druck. Neefe schrieb im Vorwort zu seiner Sonatensammlung 1773, dass diese Stücke besonders für das Clavichord geeignet seien, da dies als einziges Tasteninstrument noch nach dem Anschlag eine Modifikation des Tons erlaubt und sich so durch eine besondere Kantabilität auszeichnet.
Thomas Synofzik spielt die Werke von Neefe und Beethoven auf Instrumenten der damaligen Zeit: einem um 1790 gebauten Tafelklavier des aus Leipzig stammenden Londoner Klavierbauers Christopher Ganer und einem Nachbau des Gottfried Silbermann zugeschriebenen Clavichords im Musikinstrumentenmuseum in Markneukirchen. Das Konzert bietet somit Gelegenheit zur Begegnung mit einer anderen Klangwelt – beide Instrumente produzieren sehr sanfte und zarte Töne, kaum vergleichbar mit dem Klang heutiger Klaviere.
Thomas Synofzik ist Spezialist für das Spiel auf historischen Tasteninstrumenten. Er erhielt seine Ausbildung, die er mit dem Konzertexamen abschloss, an der Kölner Musikhochschule und dem Koninklijk Conservatorium in Brüssel. Seit 2005 leitet er das Zwickauer Robert-Schumann-Haus und wurde als Musikwissenschaftler und Hammerflügelspieler für seine Verdienste um Robert Schumann 2021 mit dem Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau ausgezeichnet. Der Eintritt zu dem Konzert, das gleichzeitig den Abschluss der Sonderausstellung „Die Schumanns und Chemnitz“ bildet, ist kostenfrei.